Vier Tage auf dem Siegerland Höhenring

Vorgeschichte, Motivation und Planung

Mitte Juni stehen ein paar Runden an den Westerwälder Randtälern auf dem Plan. Als Tagestouren werden die am östlichen Westerwald an Dill und Lahn auch umgesetzt. Der nördliche Westerwaldgrenze mit dem Siegtal ist für solche Taltouren nicht geeignet, weil es kaum tiefer in den Westerwald führende Bachläufe gibt. Daher war die Idee, den nördlichen Westerwaldrand über den Natursteig Sieg kennen zu lernen. Aber schon der Versuch mit einer Radrunde an der Siegmündung zu starten, endete nach zwei Kilometern wegen Unwetterschäden an Wald und Baum.

Windbruchsperrungen auf dem Natursteig Sieg Juni 2026

Da die Wettervorhersage ausgiebige Hitzetage vorhersagte war als Ersatz eine Tour in Höhenlage naheliegend. Eine Runde, nicht weit weg. Und vom Natursteig Sieg war es auch bei der Google Suche nicht weit zum Siegerland Höhenring. In weiten Teilen über 500 Meter über NN sollte es doch angenehm zu randern sein und dass ein oder andere Lüftchen wehen. Eine Rundtour, das vereinfacht die Rückführung der zwei Basisfahrzeuge, die man benötigt, wenn man allein einen Weitwanderweg absolvieren will.

Tourenplanung in outdooractive

Damit die 140 Kilometer innerhalb der für 4 bis 5 Tage andauernden Hitzeperiode zu bewältigen sind, wurde die Tour als Etappen mit zwei Basisfahrzeugen geplant. Die Etappen von Parkplatz zu Parkplatz werden im Uhrzeigersinn gerandert, die Fahrzeuge entgegen des Uhrzeigersinnes von Parkplatz zu Parkplatz fortbewegt. Mit zwei Elektrofahrzeugen, geladen mit Solarstrom vom Dach kann man das mal machen. Zudem ist die An- und Abfahrt mit gut 30 Kilometern bis zum südlichsten Zipfel des Höhenrings nicht zu aufwändig.

Die aufgezeichneten Etappen stecken auch noch in einer komoot Collection.

Auf dem Tourtrack werden Parkplätze auf der outdooractive OSM Karte gesucht und über Google Maps verifiziert. Die bilden das Grundgerüst der Etappenplanung entlang der offiziellen Route. Die in diesem Fall fünfzehn Etappen (Planungen) werden in einer outdooractive Sammlung zusammengefasst. Zu jedem Parkplatz werden die Koordinaten im Trackpunkt gespeichert. Die PKW Anfahrt zu den Parkplätzen erfolgt über die outdooractive App auf dem Smartphone und Übergabe des Etappen Startpunktes an die TomTom Navigationsapp.

Wegen der angekündigten Hitze werden keine Übernachtungen geplant. Es soll eher Mittags im Schatten im E-Jumpy ausgeruht und in den dunklen Stunden ein wenig geschlafen werden.

Etappenplanung in outdooractive

Die Etappen in der Übersicht:

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Die Anfahrt und die Etappen im Detail:

Mittwoch 24.06.2026 18:39

Ein paar Vorbereitungen, den Transporter mit viel Wasser, Sonnenschutz, Mückenspray und sehr wenig leichte Kleidung befüllen. Die Powerstation mit 2000 Wh befüllt ist genauso überdimensioniert wie die drei Kleidungstaschen mit Regenkleidung und langen Hosen. Aber die stehen da schon seit zwei Wochen gefüllt in der Ecke und es drohten des Nachts Temperaturen nahe des Gefrierpunkt.

Auch die Faltliege für dem Mittagsschlaf unter lauschig nadelnden Fichten kam nicht zum Einsatz. Zum Schutz vor hungrigen Bremsen müsste man sich da im Biwaksack drauflegen und nach einer Stunde wäre man verzehrfertig schonend im Schlauch gegart. Der Mückenschutz für die Heck- und Schiebetür war zwar fummelig, für den Aufenthalt im E-Jumpy aber doch wichtig.

Um 18 Uhr eine halbe Stunde mit dem Ariya nach Lippe zum südlichsten Punkt des Höhenrings mit dem Carver Gravel mit Pendix Motor auf dem Heckträger. Beim Aussteigen ist es noch gut warm aber für eine Fahrt mit dem Rad ohne Belastung auf Rad Wald und Wiesenwegen ein Traum.

Die Strecke ist bis auf den Beginn im ehemaligen Truppenübungsplatz nicht unbekannt, die Abendstimmung ein Traum. So reichen zwei Stunden, um Kunidorf zu erreichen.

Die Fotos werden mit dem Pixel 9 pro und schnell aus der Lenkertasche mit der neuen GoPro Mission 1 gemacht.

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Donnerstag 25.06.2026 06:24

Am Donnerstag soll die warme Luft von Frankreich die Sonne bei der allgemeinen Erwärmung unterstützen. Auf dem Plan stehen zwei Etappen bis zur Mittagspause. Die erste beginnt in Wasserscheide im Tal der Heller. Der Parkplatz für den E-Jumpy ist von anderen Touren in der Gegend bekannt. Das Schattenkriterium allerdings noch nicht und das soll in den nächsten Tagen noch wichtig werden.

Das gilt auch für die Kopfbedeckung, wegen der geringen Fahrzeugdichte schützt der Fahrradhelm nur der “nicht verlieren” Beutel mit Geld, Schlüssel und Fahrzeugschein.

Wo ich vor drei Tagen noch gemütlich auf einer Westerwald Randtälertour hinuntergefahren bin geht es jetzt bergauf. Ab jetzt nicht mehr mit dem E-Bike sondern mit dem guten alten Rohloff Marschall mal schiebend mal kurbelnd und immer schön langsam.

Die ersten Befürchtungen wegen Hitze und müder Beine machen einem dezenten gehtDoch Gefühl Platz. Die Strecke ist gut fahrbar und bietet auch mal Erhohlungswellen. Oben gibt es dann auch mehr Aussicht. Allerdings wirkt wie überall auf dem Höhenring die Aufforstung. War vor drei Jahren auf dem Rothaarsteig noch braun des ehemaligen Nadelwaldbodens die dominierende Farbe ist es jetzt eindeutig alles grün. In ein paar Jahren ist es dann wieder vorbei mit der Aussicht.

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Donnerstag 25.06.2026 09:06

Weil das ja bergauf gar nicht so schlimm war, geht es vor der Pause noch auf die zweite Etappe. Wobei sich jetzt zeigt, dass die Fahrt vom Parkplatz in Lippe zum übernächsten Parkplatz, einem Wanderparkplatz an der L729 bei Hainchen, nicht so einfach geradeaus nach Nordost führt wie die Höhenroute. Da muss man schon mal ins Tal runter und wieder rauf und ins nächste Tal. Vertrauen in die TomTom Navi App ist dabei unerlässlich.

So ist es kurz nach neun an einem Parkplatz am Hang, der bis 2020 noch von Fichten beschattet wurde. Hier ist schon mal kein Mittagsschlaf im Auto möglich.

Am ersten kleinen Anstieg gibt es schon mal eine Zusammenfassung der anstehenden Herausforderungen. Sonne im Rücken, kein Schatten, lose Schotterpiste unter den Reifen und Berg voraus. Aber oben auf dem Höhenrücken des Rothaargebirges geht es dann in Wellen an der Landesgrenze NRW zu Hessen tendenziell bergab. Fahrbar ist die Piste jedenfalls nicht besonders gut. Schiebn ist auch immer mal wieder notwendig, teils auch bergab auf dem losen Schotter.

Die Strecke ist vom Trip auf dem Rotharsteig (noch aus VorBlog Zeiten) und von der noch nicht beendeten NRW Umrundung bekannt und der Ausblick begeistert.

Und ein weiterer Begleiter taucht auf, der ASP Limes, ein Zaun gegen die afrikanische Schweinepest. Der ist neu und nicht schön und trennt die Wege an vielen Stellen durch schwere Stahltore. Die waren alle verschlossen, aber nach dem zwanzigsten Tor nervt es doch.

Damit die Vorschau auf das kommende Vergnügen komplett ist gibt es ziemlich am Ende einen Ab- und Gegenansteig am Steinbach, den man auch nicht umfahren kann. Single Trail mit Schiebeeinlage bei bis zu 20 Prozent Steigung und Gefälle machen einem klar, warum man jetzt kein 10 Kilogramm schwereres E-Bike dabeihaben möchte.

Inzwischen ist es auch nahe 30 Grad im Schatten und die Bremsen sind auch schon aufgewacht. Mit zwei Händen am Rad schiebend ist die Bremsenabwehr nicht so einfach. Ständig melden ungeschützte Körperflächen eindringende Bohrrüssel, egal ob eingebildet oder real.

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25.06.2026 19:08

Die schmale Höhenstraße war schon Ziel von Lahnradweg und Ederhöhenweg. Es ist still und warm auf diesem ersten Teilstück, dem Höhenzug der als Querriegel die Nord-Ost Täler trennt. Die Sieg am Westhang wässert in den Rhein, die Lahn am Osthang schafft es in einem Bogen irgendwie auch dahin und die Eder bleibt bei ihrer Richtung und nimmt die Weser als Ziel. Und die Dill nimmt die Abkürzung nach Süden. Was ist wohl für den Wassertropfen in der Gewitterwolke der Traumpfad?

Der Weg auf dem Höhenrücken nach Süd-West in der Abendstimmung ist traumhaft schön. Allein unterwegs, der Naturpfad zieht sich vom Jagdberg zum Herrenberg und zum Adlerkopf. Der Weg ist nicht einfach zu fahren, aber wer schiebt hat mehr Zeit zum Schauen. Das sind acht Kilometer Genuss und das es keine Rund- oder HinUndZurück Strecke ist fühlt sich gerade genau richtig an. Auch wenn der Aufwand mit den zwei Autos eine Ausnahme bleiben wird, für diesen ersten Abend hat es sich gelohnt.

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25.06.2026 20:56

Von der Siegquelle zur Lahnquelle geht es über die gute alte bituminierte Eisenstraße. Um 21 Uhr ist hier niemand mehr unterwegs. Aussicht gibt es wegen der hier durchgehend rumstehenden Restbewaldung mit aufstrebendem Jungbewuchs nicht so spektakulär, warum also soll das Rad über den parallel durch das Unterholz führenden Wanderweg mehr geschoben als gefahren werden. Nach einem kleinen heroischen Versuch auf der ausgeschilderten Höhenroute zu bleiben ist die Straße zu verlockend.

Die abkühlende Luft macht die kurze Strecke zur Abkühlung und den Abend zum Sommerabend. Und die Bremsen kommen auch nicht hinterher.

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25.06.2026 25.06.2026 21:57

Die Theorie zur Sommerfahrt während einer Hitzewelle war, die Nacht zum Tag zu machen und umgekehrt. Das hat dann doch nicht so gut funktioniert, aber ich muss es doch wenigstens versuchen. Die Etappe von der Ederquelle zur Siegquelle beginnt wieder an der Eisenstraße, die aber diesmal brav nicht als Abkürzung genutzt wird. Stattdessen geht es auf der Kohlenstraße am Selbstbedienungskühlschrank vorbei nach Banfe über die Banfe, für die Wassertropfen eine Abkürzungsalternative zur Eder. Am Gegenanstieg fühlt sich die Luft nicht sehr luftig an und es gibt einen ersten Eindruck, was eine Hitzewelle mit Rekordtemperaturen bedeutet. Da ist die Abendstimmung hier oben ein Genuss, den nicht viele an diesem Tag erleben können.

Gekühlte Getränke gibt es auf dieser Tour nicht, nur auf jeder Etappe ein bis zwei Liter stilles Wasser mit Teegeschmack. Es ist flüssig, das wars aber auch schon. Auf die Sonnencremes Sch(m)utzschicht kann man verzichten, die Beine werden nach jeder Etappe aus dem Wasserpumpsack auf dem Parkplatz abgespült.

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25.06.2026 23:57

Es ist nicht kühl, aber dunkel. Es zeigen sich die Vorteile des kostenlos verfügbaren Tageslichtes. Man sieht, woher man fährt. Der Mond kann das leuchterische Defizit nur bedingt ausgleichen. Aber die Strecke ist nicht kompliziert oder anstrengend, also einfach ausprobieren.

Der Start am Wintersportparkplatz bei Lützel passt zu den äußeren Bedingungen. Nach 2 Minuten auf dem Rad, ausgestattet mit Beleuchtung und Stirnlampe steht auf dem Nachbarparkplatz eine Ladesäule herum und langweilt sich. Das ist schnell vorbei, denn sie bekommt die Aufgabe, die zwei Elektrofahrzeuge aufzuladen. Erst den Ariya, der mit 22 kW lädt und bis zum Ende der Etappe wieder gefüllt sein wird.

Der am Etappenziel wartende E-Jumpy wird dann dazu gefahren und auch geladen, so der Plan.

Aber erst mal auf die Dunkelfahrt. Der Garmin Edge ist im Dunkeln nur mit Stirnlampenbeleuchtung abzulesen und der Start gestaltet sich wegen der vielen Abzweige auf Höhe der Skipiste ruckelig. Die Nachtstimmung ist aber schon beeindruckend. Erst bergab ins Dorf über die Bahnlinie, den eigentlichen steilen pfadigen Abstieg meidend und dann wieder hoch zur Eisenstraße. Die parallel zur Eisenstraße verlaufenden Wanderpfade motivieren bei den Bedingungen nicht zur Benutzung, es rollt sich so schön auf der frisch asphaltierten Straße ohne sonstigen Verkehr. Die Pfade kennen wir ja auch schon vom Wanderprojekt Ederhöhenweg.

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26.06.2026 06:45

Erste Erkenntnis, auf einer Runde mit Aussicht sieht man des Nachtens schlecht aus. Andererseits sieht man nicht wie schlecht mn aussieht. Bei Ankunft mit dem E-Jumpy an der Ladesäule ist der Ariya vollgeladen. Dann kommt der E-Jumpy ans Kabel und der Wecker weckt nach 3 Stunden Ladezeit, da ist der Akku gerade voll, die inkludierte Parkzeit aufgebraucht und die Nacht ist noch dunkel. Daher wird auf dem Parkplatz noch zwei Stündchen weitergeschlafen. Irgendwie komisch zittrig mit unsicherem Gang geht es mit dem Ariya zum nächsten Etappenparkplatz und dann zurück zum Wintersportzentrum.

Ausgangspunkt ist der eher sonnige aber hoch gelegene Wanderparkplatz Rothaarhütte. Es ist noch angenehm, wenn sich die Luft an diesem Freitag schon für die kommenden zwei Rekordhitzetage gut vorgewärmt anfühlt. Der Weg hält sich mit kleinen Wellen am Ostrand oberhalb Hilchenbach auf 600 Meter über NN. Es ist schon zu fahren und der Gedanke an die Loipenspuren, die hier im Winter über die Schotterwege führen rollt es sich angenehm.

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26.06.2026 08:11

Die Sonne sagt, ich bin nicht der Mond. Ich bin die Sonne, ich mach warm. Der Parkplatz ist schattenlos und das macht heute das Auto zum Bachofen. Ob das der Akku und die Elektronik aushält? Muss ja wohl. Hat ja einen Ventilator eingebaut.

Es geht von West nach Ost auf dem Höhenrücken nördlich von Hilchenbach. SO berühmte Hügel wie der Schartenberg, die Albauner Höhe, und die drei Buchen. Es bleib hoch, so zwischen 550 und 630 Meter über NN. Und es wird warm. Aber noch kann man die gerodeten und noch nicht aufgewachsenen Aussichtsstellen geniessen. Die Schotterwege sind maßig gut zu befahren.

Mal eine Schutzhütte, mal ein Windrad, immer wieder ASP Zäune, ein ruhiges aufUndAb. Der E-Bikefahrer würde hier mit Durchschnitt 20 km/h drüberbrettern, ich strampele gemütlich und komme auf 6,2 km/h am Ende der Tour. Das ist genau das Tempo einer Rander Tour, wie wandern, nur der Rucksack am Rad und schieben, wo es nötig ist. Bergauf und bergab.

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26.06.2026 10:43

War die Etappe 9 noch entspannt wurde es am Ende auf elf Uhr zu doch schon wärmer. Das Problem war das Zeitmanagement, die noch ausstehenden Etappen 9 bis 14 bis Samstag, also in 1,5 Tagen zu schaffen. Bei den schattenlosen Parkplätzen ist an schlafen im E-Jumpy über die Mittagszeit nicht zu denken. Also muss der Vormittag noch für eine Etappe genutzt werden, allerdings ist das eine mit drei größeren Anstiegen und geschätzten drei Stunden Zeitbedarf. Also Ankunft 14 Uhr. Hilft nichts, 2 Liter Wasser eingepackt, Sonnencreme mit dem auf der Haut angesammelten Staub vermischt und Mütze auf und los.

Das Tourniveau fällt auf unter 500 Meter und es gibt vermehrt Wiesen statt Aufforstungsflächen. Schotterwege, viele Tore, von denen eines fast am Ende der Etappe mit einer Kette versehen von mir nicht zu öffnen ist. Also am Ende in der Hitze das Rad über das einmeterfünfzig Gatter gehoben und hinterher geklettert. Ich hoffe, der Videoüberwacher hatte seinen Spaß mit der Aufzeichnung. Falls also mal ein Gattervideo bei TikTak auftaucht, das bin ich, der da am Gatter hängt.

Am Ende eine anstrengende Randerung mit vielen Ausblicken und vielen Schiebestrecken. Und dann wird es richtig warm. Da die letzten Parkplätze keinen Schatten boten musste ein Seitenwaldweg am Startparkplatz der nächsten Etappe reichen. Und da war es übel warm in E-Jumpy und draußen suchten die Bremsen nach Blut.

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26.06.2026 19:54

Da war kein Luftzug in dem Seitenweg und die Transpiration verschaffte keine Kühlung. Ich war versucht, einen Lüfter von daheim zu hohlen, aber ich war auch gut müde. Nicht nah am Muskelkrampf wie nach einer langen Radetappe aber müde im Kopf, unsicher im Gang. Also auf der Isomatte rotiert, bis irgendwie die Schatten der Bäume wirksamer wurden.

Ich hatte den Laptop dabei, um die Etappen in den Pausen im Blog aufbereiten zu können, aber Auge und Hirn wollten das nicht. Also bis sieben gewartet und dann die erste Abendetappe vorbereitet.

Vom Parkplatz an der Wasserscheide zur Lenne führt die Route nach Süden parallel zur B54 an der Autobahn an Kreuztal vorbei. Es ist nicht mehr so unbewohnt und es gibt sogar ein paar Abendbiker, die ihre Runde drehen.

Die Wege sind gut zu fahren und es wird auch nur selten steil. Schöne Abendstimmung ohne große Erinnerungspunkte an diese Strecke. Am Ende kommt dann ein steiler Aufstieg auf loser Schotterpiste, der mich fast an die Schiebegrenze bringt. Parallel zu einer Hochspannungsleitung ist der Hügel und der Aufstieg anstrengend und kostet die letzten Körnerchen. Die Aussicht, gut und schön. Aber die Gedanken an die nächste Etappe, ob noch eine am Abend oder am Samstag früh aufstehen verhindern das notwendige innehalten.

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27.06.2026 05:38

Am Ende der Etappe 10 ist es 21:30 und der E-Jumpy wird auf den ehemalig sonnigen Parkplatz umgeparkt. Schnell einen guten Teil des Wassersackes über die Rübe geschüttet und den Sonnencremedreck abgewaschen. Das fühlt sich schon ganz ok an. Da weder die Etappen im Dunkeln spaß machen noch schlafen am Tag möglich ist geht es jetzt auf die mit der Isomatte bedeckten Baumarktholzkisten für Schlaf bis um 4.

Der Start ist mühsam und unkoordiniert. Aber nach zwei schnellen Scheiben Brot muss erst das Wohnmobil auf den Startparkplatz gefahren werden. Der liegt in bekannter Gegend an der alten Bahntrasse oberhalb Freudenberg. Da führt der oft befahrene Radweg Kunidorf – Dortmund vorbei.

Erst mal auf dem Rad sieht die Welt wieder gut aus. Es geht über grüne Hügel auf 400 Meter Höhe nach Osten gegen die aufgehende Sonne. Löffelberg, A45 Querung. Gut fahrbare Schotterwege und die laue Nachtluft an der Nase, so lässt es sich aushalten. Man kann fahren und nachdenken. Es geht nicht mehr so einfach wie vor zwanzig Jahren, aber noch geht es draußen zu sein, wenn auch nicht mehr so ohne Limit wie damals. Reicht mir das?

Ab Oberholzklau biegt der Weg nach Norden ohne wesentliche Änderung des Charakters. Ein paar Anstiege und der Etappenschnitt von 10,1 km/h zeigt, das war eher radeln statt wandern.

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27.06.2026 07:51

Das ging recht zügig mit der Etappe 11 und mit der Weiterfahrt zum Startpunkt der Etappe 12 reicht es noch für einen Start vor acht. Der ist in Niederfischbach am Radweg von Betzdorf nach Freudenberg auf der Strecke Kunidorf – Dortmund. Hier in der Nähe habe ich auf dem Lauf nach Dortmund die erste Nacht auf eine Parkbank verbracht. Mit dem Laufanhänger in 2,5 Tagen 150 Kilometer durch Westerwald, Bergisches Land und Sauerland. Die lange Nacht von Lüdenscheid. Was waren das für Zeiten. Hab ich nicht halten können, hab’s gehofft, hat aber nicht geklappt.

Die Strecke führt nach Nordwest oberhalb des Tals der Weibe auf dem Höhenrücken, der aber viele kleine fiese Senken in den Weg stellt. Aber im Prinzip geht es bis nach Friesenhagen bergab bis auf 280 Meter über NN. Friesenhagen als Gemarkung 01070001 ist fest verankert in den Erinnerungen an die vielen Aufgaben in der intensiven Jobzeit von 2008 bis 2020. Und mit einem alten Mann und einem etwas Jüngeren, der mir ausgerechnet in Friesenhagen von Insta als Folgevorschlag präsentiert wird. Da taucht dann ein gelbes Patria auf. Und die alten Fragen der letzten drei Jahre. Und die in diesen drei Jahren gefundene Antwort. Es ist vorbei.

Als kleinen Ersatz fahre ich wenigstens die Straße zum Wildenburger Bahnhof hoch und träume sie mir zur Anfahrt zur Großglockner Hochalpenstraße. Und stelle oben fest, die Anfahrt reicht mir völlig und es wird heute WARM!

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27.06.2026 19:49

Am Ende der zwölften Etappe ist es schon gut warm und ein schattiger Parkplatz für den E-Jumpy ist nicht in Sicht. Da es keine Ausrüstung zum Ausruhen auserhalb des Fahrzeuges gibt ist der Plan, den bisher wärmsten Tag im Juni 2026 zu überstehen die Fahrt nach Kunidorf. Im Haus ist es ebenfalls schon gut warm, aber es geht noch.

Also Heimfahrt, Auto laden (schnauft mächtig an der Wallbox) und ausruhen. Am Abend fühlt es sich nach 18 Uhr noch nach Saunavorhof an. Also langsam und die zwei ausstehenden Etappen am späten Abend beenden. Die letzte Etappe hoch in den Westerwald ist dann für Sonntag als gemeinsame Abschlussfahrt mit dem Tandem geplant.

Also erst mal die Etappe 13, nicht lang aber vom Sportplatz bei Betzdorf geht es erst runter in das Siegtal und dann wieder hoch von 200 auf 400 Meter auf die Hügel oberhalb des Wimmersbachtales. Der Anfang der Strecke ist vom Druidensteig bekannt, die Etappe zur Freusburg noch frisch in Erinnerung. Das macht den steilen Aufstieg zur Jugendherbergsburg nicht einfacher. Auf halber Strecke erzählt mit ein Dörfler, wie am Vortag hier eine Radfahrerin schiebend in der Hitze kollabiert wäre, hätte sie den Dorfbrunnen nicht erreicht. Mein Aussehen reicht anscheinend noch nicht für einen Anruf bei 110.

Erst mal oben rollt es besser, auch wenn der Wanderweg nicht gut zu befahren ist. Teilweise pfadig geht es mit hohem Schiebeanteil voran. Ja, es gibt auch mal einen Ausblick ins Tal. Aber die Etappe 14 sitzt noch im Nacken.

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27.06.2026 21:49

Die letzte Soloetappe ist ebenfalls kurz vorher auf dem Druidensteig erkundet worden. Daher steht die erranderte Umgebung nicht so sehr im Vordergrund. Langsam droht auch die Finsternis, aber es wurde vergessen, die Heizung auszuschalten. Vom bekannten Parkplatz am Sportgelände in Herdorf oberhalb der oder des Heller geht es radelgut ansteigend hoch auf den Hügel zwischen Betzdorf und Herdorf. Ziel ist der Druidenstein.

Der liegt bei Ankunft schon in Finsternis und über breite Wege und Dorfstraßen geht es hinunter durch das nächtlich Herkersdorf und einen kleinen Gegenanstieg hinauf bis zum Etappenparkplatz.

Mit dem dort wartenden Ariya geht es heim für eine kurze nicht sehr erholsame Nacht in Kunidorf.

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28.06.2026 09:59

Eine Anfahrt von Kunidorf nach Lippe. Morgens ist nach einen Tag mit neuen Temperaturrekorden das Aussteigen ein Brett. Aber es gilt heute die 470 Hm abwärtsfahrt zur Fahrtwindkühlung zu nutzen.

Auch die letzte Etappe führt nach Nordwesten über einen Höhenrücken zwischen Daaden (Daade) und Burbach (Heller). Leicht wellig und gut zu fahren. Der Sonntag bringt dann auch mehr E-Biker auf die Piste, im Rückspiegel taucht schon mal einer auf, der mit einem langsam mit Schleppbremse fahrenden Rad nicht rechnet.

Der Silbersee wird umfahren und der Aufstieg in Herdorf zum Sportplatz ist auch nicht so schlimm wie befürchtet. Nur der Ariya will vor betreten erst mal in den Schatten gefahren werden. Immerhin, er fährt.

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Bewertung
Die Streckenführung

Wer im Siegerland hoch hinaus will und dort auch bleiben möchte, dem kann der Siegerland Höhenring empfohlen werden. Die Streckendaten der kompletten Runde mit Ansteuerung der 15 Etappenparkplätze

147 km, 15 Etappen, 19 Stunden und 40 Minuten unterwegs, Tempo in Bewegung 7,5 km/h, Anstieg 2680, Abstieg 2682 Meter, Minimale Höhe 195 Meter, Maximale Höhe 672 Meter

Positiv:
  • Rundtour – An- und Rückfahrt identisch, zwei Laufrichtungen möglich.
  • (Noch) Aussicht durch die Fichten Rodungsflächen.
  • Wegführung auf Wald, Forstwegen und (nicht zu vielen) einspurigen Naturpfaden. Sehr wenig Besiedlungsflächen und Straßen. Wandern, Laufen oder randern gut möglich.
  • Parkmöglichkeiten an der Route.
  • Schutzhütten.
Negativ:
  • Wenig Schatten oder Wetterschutz.
  • Wenig natürliche Wasservorkommen direkt am Weg obwohl umfangreiches Quellgebiet.
  • Ruhebänke ungleichmäßig verteilt.
  • Markierung eher unauffällig.
Persönliche Erfahrung

Die Runde war eine eher spontane Entscheidung. Seit vier Jahren probiere ich jetzt schon vieles aus um mal für ein paar Tage in der Umgebung unterwegs zu sein. Früher war das mal einfach, rauf aufs Rad und gefahren bis es dunkel war, auf der Parkbank geschlafen und am nächsten Tag weiter. Oder einen Campingplatz angefahren und früh am nächsten Morgen wieder los.

Leider kann ich das nicht mehr. Die Bank ist zu hart, der Wolf kommt nachts kuscheln, der Hund pinkelt auf der nächtlichen Gassirunde ans Zelt, die Campingplätze sind voll und laut, das Zelt ist morgens nass und alles ist schlammig, dreckig und stinkt. Trotzdem will der Kopf das alte Gefühl zurück, oben auf dem Hügel der Blick über Wälder und Wiesen das Glück und die Freiheit und die Gewissheit das ich es kann.

Jetzt schmerzt es bei jedem Belastungsversuch, das Tempo ist halbiert, die Strecke ist halbiert und die Angst hat sich verdoppelt.

Daher die Streckenplanung zur Angstminimierung, fünf bis fünfzehn Kilometer sind überschaubar, da steht dann Verpflegung und Schutz und der Kopf kann sich mit anderem beschäftigen als dem Zittern vor der bevorstehenden Aufgabe. Allerdings wird diese Umsetzung mit zwei Begleitfahrzeugen nur im Ausnahmefall noch einmal zur Umsetzung kommen. Der Aufwand ist einfach zu groß, je weiter die Strecke von Kunidorf entfernt ist.

Der Entschluss mit den Outdoor Übernachtungen im Zelt endgültig abzuschließen hat sich gefestigt. Mit dem E-Jumpy kann ich alle Strecken, die ich in Deutschland noch machen möchte, in Angriff nehmen. Der Kopf muss dann bei den Tagesetappen auf einem Rad- oder Wanderweg verstehen, dass eine Etappe wieder zurückgefahren oder gewandert werden muss. Das muss ja bei einer Radtour mit Zelt auch so gemacht werden, nur nicht an einem Tag sondern erst Tage hin und dann wieder Tage zurück.

Wobei sich die Wanderwege mit dem Rad absolviert als bedeutend schöner als die üblichen Radwege erwiesen haben. Eselsweg, Limes, bergischer Panoramasteig oder der Ederhöhenpfad sind gute Beispiele dafür.

Also geht es im Juli weiter, erst mal mit einem Training auf dem linken Dillhöhenweg und später auf den südlichen Teil des östlichen Limes ab Miltenberg.

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